Struma • Schilddrüsenvergrößerung lässt sich vorbeugen

Struma • Schilddrüsenvergrößerung lässt sich vorbeugen

  15 Mar 2019


Der Begriff Struma bezeichnet eine Schilddrüsenvergrößerung. Ein solcher Befund wird in der deutschen Bevölkerung oft gestellt. Doch um Rückschlüsse auf eine vorliegende Krankheit oder Funktionsstörung der Schilddrüse zu ziehen, muss erst der Ursache auf den Grund gegangen werden – häufig ist ein chronisch bestehender Jodmangel schuld.

Die Verwendung von Jodsalz hilft, einer Struma vorzubeugen.
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Artikelinhalte im Überblick:

Was ist eine Struma?

Ob für Stoffwechsel, Kreislauf oder Wachstum – die Schilddrüse ist ein ausgesprochen wichtiges Organ für den menschlichen Körper. Um ihren bedeutenden Aufgaben nachgehen zu können, bildet sie unter anderem die Hormone T3 und T4, deren Ausschüttung vom Schilddrüsenhormon TSH reguliert wird. Für die Bildung dieser Hormone ist die Schilddrüse darauf angewiesen, dass wir unserem Körper das Spurenelement Jod in ausreichender Menge mit der Nahrung zuführen. Bekommt die Schilddrüse zu wenig davon, kann sich dieser Mangel durch eine Schilddrüsenvergrößerung (Struma) bemerkbar machen. Unter dem Begriff Struma wird das Symptom einer solchen vergrößerten Schilddrüse verstanden, dem verschiedene Schilddrüsenerkrankungen zugrunde liegen können. Im Volksmund wird sie auch als “Kropf” bezeichnet.

Fakten zur Schilddrüse – das sollten Sie wissen

Ein Jodmangel ist die häufigste Ursache einer Struma: Der Arbeitskreis Jodmangel e.V., ein Zusammenschluss von 14 interdisziplinären, wissenschaftlichen Beiräten, schätzt, dass mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Jodmangelstruma und knotigen Schilddrüsenveränderungen leiden. Frauen sind vier bis fünf Mal häufiger davon betroffen als Männer. Mit zunehmendem Lebensalter wächst das Risiko einer Schilddrüsenvergrößerung.

Bei einer Struma ist das Volumen der Schilddrüse deutlich größer als es für den Normalbereich des Alters und des Geschlechts üblich ist: bei erwachsenen Frauen mehr als 18 Milliliter, bei Männern mehr als 25 Milliliter.

Es gibt verschiedene Ausprägungen einer Struma. Sie werden folgendermaßen unterschieden:

  • Struma diffusa: die gesamte Schilddrüse ist vergrößert, es liegen keine knotigen Veränderungen vor

  • Struma nodosa: bezeichnet eine Knotenbildung in der Schilddrüse und wird deshalb auch Knotenstruma oder Knotenkropf genannt

  • Struma uninodosa: die Schilddrüse hat einen Knoten gebildet

  • Struma multinodosa: die Schilddrüse hat mehrere Knoten gebildet

Eine Schilddrüsenvergrößerung kann mit einer gestörten Hormonproduktion einhergehen. In den meisten Fällen verläuft diese jedoch normal.

In rund 90 Prozent der Fälle handelt es sich bei einer Struma um eine sogenannte euthyreote Struma, die durch einen ernährungsbedingten Jodmangel verursacht wird. Sie ist definiert als eine Schilddrüsenvergrößerung, die mit oder ohne Knoten auftritt, nicht entzündlich und nicht maligne (bösartig) ist und bei der keine hormonelle Funktionsstörung vorliegt.

Kalte und heiße Schilddrüsenknoten – das sagen sie aus

Experten sprechen bei einer Struma mit Knotenbildung von “heißen” und “kalten” Knoten. Dahinter verbirgt sich Folgendes:

  • Heiße Knoten: Solche Knoten besitzen eine funktionelle Autonomie. Das bedeutet, sie bilden sozusagen “auf eigene Faust” Hormone – unabhängig von der Regulierung durch die Hirnanhangsdrüse. Heiße Knoten sind gutartig, durch die vermehrte Hormonproduktion können sie allerdings eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen.

  • Kalte Knoten: Diese Knoten zeichnen sich durch einen verminderten oder fehlenden Stoffwechsel aus. Das heißt, sie bilden nur wenige oder gar keine Hormone und beeinträchtigen die Funktionsweise der Schilddrüse deshalb nicht. Kalte Knoten können Zysten oder Entzündungen sein oder auf eine mögliche Tumorerkrankung hinweisen. Laut Deutscher Gesellschaft für Endokrinologie, Hormone und Stoffwechsel (DGE) sind nur etwa zwei Prozent der kalten Knoten bösartig.

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Ursachen einer Struma – Jodmangel schuld an Schilddrüsenvergrößerung

Die euthyreote Struma ist Folgekrankheit eines chronisch bestehenden Jodmangels. In Deutschland ist die Jodaufnahme durch die Ernährung heutzutage zwar besser als es noch in den 1990er Jahren der Fall war, dennoch nehmen viele Menschen immer noch zu wenig Jod auf. Bei einem Jodmangel versucht die Schilddrüse das fehlende Spurenelement durch die Vergrößerung der Schilddrüsenzellen auszugleichen – ausgelöst vom Hormon TSH. Es entstehen neues Bindegewebe und neue Blutgefäße, mit dem Ziel, wenigstens das vorhandene Jod möglichst effektiv zu nutzen.

Auch wenn der Jodmangel die häufigste Ursache einer euthyreoten Struma ist, kann eine Schilddrüsenvergrößerung als Symptom ebenfalls auf andere Ursachen hinweisen. Zum Beispiel:

  • Einnahme von Medikamenten mit den Wirkstoffen Lithium oder Thyreostatika in zu hohen Dosen
  • Morbus Basedow (immunbedingte Schilddrüsenüberfunktion)
  • Schilddrüsenautonomie
  • Schilddrüsenkrebs
  • Bildung von Zysten
  • Entzündungen der Schilddrüse
  • Überschuss an Wachstumshormonen (Akromegalie)
  • Enzymdefekte

Als Risikofaktoren für die Entstehung einer Struma gelten Nikotinkonsum, Selen- und Zinkmangel.

Anzeichen einer Struma: Welche Symptome treten auf?

Eine Struma verläuft anfangs meist ohne Beschwerden. Symptome machen sich erst bemerkbar, wenn sie größer wird:

  • Globus-Gefühl (“Frosch im Hals”)
  • Schluckbeschwerden
  • Druck- und Engegefühl im Hals (zum Beispiel beim Tragen von Halsketten oder enger Kleidung wie Rollkragenpullover)

Je weiter die Struma fortschreitet, desto stärker und störender wird das Druck- und Engegefühl am Hals. Außerdem kann es zu folgenden Symptomen kommen:

Struma-Diagnose: So stellt der Arzt eine Schilddrüsenvergrößerung fest

Da eine Struma Anzeichen für verschiedene Erkrankungen sein kann, ist eine genaue Diagnose bei einer Schilddrüsenvergrößerung besonders wichtig. Bei ersten Beschwerden ist der Hausarzt der richtige Ansprechpartner. Als Spezialist kümmert sich der Endokrinologe (Facharzt für hormonell bedingte Erkrankungen und Störungen) um die Behandlung.

Zur Diagnose dient dem Arzt ein Gespräch (Anamnese) über Krankheitsgeschichte, familiäre Veranlagung und Ernährungsstatus. Anschließend wird das Organ durch Abtasten untersucht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt die Struma je nach Ausprägung in folgende Schweregrade ein:

  • Grad 0: keine Struma

  • Grad I: Struma kann ertastet werden

  • Grad Ia: Struma kann ertastet werden, sie ist bei normaler Kopfhaltung aber nicht sichtbar

  • Grad Ib: Struma kann ertastet werden und ist bei einer Rückwärtsneigung des Kopfes sichtbar

  • Grad II: Schilddrüsenvergrößerung ist bei normaler Kopfhaltung sichtbar

  • Grad III: Struma ist bereits aus der Entfernung sichtbar

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie der Schilddrüse) liefert ein genaues Bild von Größe und Lage der Schilddrüse und den möglichen, entstandenen Knoten. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über die Menge der Schilddrüsenhormone.

Stellt der Arzt bei seinen Untersuchungen Knoten fest, erfolgt eine Szintigrafie. Dabei handelt es sich um eine nuklearmedizinische Untersuchung: Es wird festgestellt, wie stark die verschiedenen Bereiche der Schilddrüse radioaktives Jod aufnehmen, um die Aktivität in der Schilddrüse dann bildlich darstellen zu können. Die radioaktive Substanz wird bei einer Szintigrafie intravenös (in eine Vene hinein) injiziert. Die sogenannten Radiopharmaka zerfallen im Körper und setzen Gammastrahlen frei, die mit einer bestimmten Kamera aufgenommen werden. Heiße Knoten sind besonders “aktiv”, weil sie viele Hormone produzieren und deshalb mehr Jod aufnehmen als kalte Knoten.

Besteht der Verdacht auf bösartige Tumoren, wird eine Gewebeprobe zur weiteren Abklärung entnommen.

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Therapie der Struma: Wie läuft die Behandlung ab?

Ziel der Struma-Behandlung ist es, die vergrößerte Schilddrüse zu verkleinern. Dazu kommen verschiedene Behandlungen infrage, die sich nach der vorliegenden Ursache richten. Eine Struma kann medikamentös, radiojodtherapeutisch oder operativ behandelt oder abwartend beobachtet werden. Um zu entscheiden, welche Behandlung die richtige ist, orientiert sich der zuständige Arzt je nach Ausmaß der Schilddrüse, Verdacht auf Schilddrüsenkrebs oder funktionelle Autonomie, Hormonlage, Antikörperprofil und Lebensalter am individuellen Fall.

Medikamentöse Behandlung: Es kommen mehrere Varianten zur medikamentösen Struma-Therapie in Betracht: eine Behandlung nur mit Jod, ausschließlich mit Schilddrüsenhormonen oder eine Kombination aus Jod und Schilddrüsenhormonen. Zur Therapie der Struma nodosa (Knotenkropf) wurde im Jahr 2011 die weltweit größte Studie zum Thema veröffentlicht. Die LISA-Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine kombinierte Gabe von Jodid und dem Schilddrüsenhormon Levothyroxin (auch L-Thyroxin genannt) den anderen Verabreichungsformen zur Reduktion des Knotenvolumens und des Schilddrüsenvolumens signifikant überlegen ist. Meist werden Medikamente für die Dauer von einem Jahr verabreicht, der Erfolg überprüft und dann entschieden, wie es weitergeht. Oft schließt sich nach der Kombination von Jod und Schilddrüsenhormonen eine Weiterbehandlung mit einem reinen Jod-Präparat an.

Operation: Bei ausgeprägten Strumen, die lokale Beschwerden wie Druck auf Nerven und Gefäße ausüben sowie beim Verdacht auf bösartige Tumorbildungen wird der betroffene Teil der Schilddrüse operativ entfernt. Um einer erneuten Kropfneubildung vorzubeugen, kann nach der Operation langfristig die zusätzliche Einnahme von Jod erforderlich sein.

Radiojodtherapie: Bei sehr großen Strumen stellt die Radiojodtherapie eine Alternative zur Operation dar – sie soll das Volumen effizient verkleinern können. Auch bei Menschen mit Sprechberufen oder bei älteren Personen kann diese Therapie statt einer Operation zum Einsatz kommen. Bei der Behandlung wird Radioiod oral als Kapsel verabreicht, um das betreffende Gewebe zu zerstören. Aufgrund der Radioaktivität ist die Behandlung mit einem längeren stationären Aufenthalt verbunden.

Abwartend beobachten: Bei kleineren euthyreoten Strumen kann sich der Arzt dazu entscheiden, die weitere Entwicklung abzuwarten. In diesem Fall wird die Schilddrüse mittels Ultraschall regelmäßig kontrolliert.

Auch invasive, nicht operative Verfahren zur Behandlung einer Schilddrüsenvergrößerung werden in Expertenkreisen diskutiert:

  • Alkoholinstillation (Einträufeln von Alkohol)

  • Lasertherapie (Lasersonde wird im Knoten platziert und aktiviert)

  • Radiofrequenzablation (mit Radiofrequenzgenerator verbundene Elektrode wird im Knoten platziert und aktiviert)

  • Mikrowellenablation (Mikrowellenelektrode wird im Knoten platziert und aktiviert)

  • High Intensity Focused Ultrasound Ablation (HIFA) (Schallkopf wird extern platziert und die Schallwellen werden in die Mitte des Knotens geleitet)

Abgesehen von der Alkoholinstillation sind diese Behandlungsverfahren zum aktuellen Zeitpunkt in Deutschland nicht weit verbreitet.

Struma: Verlauf und Komplikationen

Da eine Struma Komplikationen hervorrufen kann, ist sie in vielen Fällen behandlungsbedürftig. Entwickeln die Knoten zum Beispiel eine funktionelle Autonomie produzieren sie Hormone, die von der Schilddrüse nicht gebraucht werden. Die Folge: Es kommt zu einer Schilddrüsenüberfunktion.

Darüber hinaus können sich nach einiger Zeit Tumore entwickeln: Laut Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) beträgt das Risiko für Schilddrüsenkrebs bei einer Struma etwa vier Prozent.

Wie kann einer Struma vorgebeugt werden?

Durch eine ausreichende Zufuhr von Jod mit der Nahrung lässt sich eine Schilddrüsenvergrößerung vorbeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt abhängig vom Lebensalter folgenden Mengen:

Alter µg/Tag
1 bis unter 4 Jahre 100
4 bis unter 7 Jahre 120
7 bis unter 10 Jahre 140
10 bis unter 13 Jahre 180
13 bis unter 15 Jahre 200
15 bis unter 51 Jahre 200
51 bis unter 65 Jahre und älter 180

Um den Bedarf zu decken, rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, ein- bis zweimal pro Woche Seefisch zu verzehren und Speisen, wenn auch sparsam, stets mit Jodsalz zuzubereiten. Beim Einkauf von Bort, Backwaren, Käse oder Fleischwaren sollte die Wahl ebenfalls auf Produkte fallen, die mit Jodsalz hergestellt wurden. Da seit einigen Jahren jodierte Mineralstoffmischungen in der Tierfütterung eingesetzt werden, trägt auch Milch zur Jodversorgung bei.

Bestimmte Risikogruppen haben einen erhöhten Jodbedarf: Schwangere 230 Mikrogramm pro Tag und Stillende 260 Mikrogramm pro Tag. Der Arzt kann Betroffenen deshalb die Einnahme von Jod-Tabletten empfehlen. Diese Einnahme sollte unbedingt ärztlich abgesprochen werden, da die Tabletten zum Beispiel bei einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion ungeeignet sein können. Schwangere Frauen müssen in puncto Jod besonders achteben, um negative Auswirkungen auf das Ungeborene zu verhindern: Leiden Schwangere an Jodmangel, ist es möglich, dass ein Baby bereits mit einer vergrößerten Schilddrüse zur Welt kommt. Dies wird als Struma connata bezeichnet.

Nach einer abgeschlossenen Struma-Behandlung kann es sinnvoll sein, einer erneuten Schilddrüsenvergrößerung mit der täglichen Einnahme von Jodtabletten vorzubeugen. Außerdem sollten in diesem Fall regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt erfolgen.



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