Meteorologen befürchten Staubstürme | ZEIT ONLINE

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  23 Apr 2019


Die Osterferien in Berlin dauern noch bis Freitag: 22 Grad sind am Dienstag
drin, 25 am Mittwoch, Donnerstag sogar 26 und am Freitag wohl noch mal
23 Grad. Dann soll es deutlich und wohl auch für längere Zeit kühler
werden. Aber bis dahin sind stürmische Zeiten zu überstehen. Und
stürmisch heißt auch: staubig. Welche Folgen es haben kann, wenn starker
Wind über noch kahle Felder fegt, zeigte sich auf tragische Weise im
April 2011, als in einem Staubsturm auf der Autobahn bei Rostock 60 Autos ineinanderrasten. Acht Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt.

Am
Dienstag und auch am Mittwoch ist wieder Potenzial für Staubstürme
vorhanden: “Der Südostwind frischt auf bis zu stürmischen Böen, also
Stärke neun”, sagt Jörg Riemann, Chefmeteorologe der Wettermanufaktur in
Tempelhof. Da es seit Ende März fast nicht geregnet hat, sind die Böden
völlig ausgetrocknet.

Nur etwa zwei Liter kamen bisher im April herunter –
am Sonntag vor einer Woche. “Normalerweise kommt der April auf 42
Liter”, sagt Riemann. Wobei in diesem langjährigen Mittelwert noch nicht
die Erfahrung der vergangenen Jahre steckt, nach der der April fast
immer einen Blitzstart Richtung Frühsommer hinlegt.

Gefährlich
kann der starke Wind auch werden, falls neue Waldbrände aufflammen. Wenn
überhaupt, soll es am Dienstag nur ganz vereinzelt Schauer oder kleine
Gewitter geben. Aber Linderung für die Natur ist in Sicht: “Ich halte es
für relativ sicher, das es zum nächsten Samstag hin mal richtig regnen
wird”, sagt Riemann.

Das Regendefizit von 2018 konnte nicht aufgefüllt werden

Wie
viel, wird von der genauen Position des Tiefs abhängen, das sich von
Großbritannien nach Skandinavien ausbreitet. Diese Nachricht ist an sich
schon gut. Denn sie bedeutet, dass die Wetterverhältnisse sich nicht
wieder so festfahren, wie sie es 2018 von Februar bis Oktober getan hatten – was der Region das mit Abstand trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen verschafft hatte. Und Regen würde nicht nur der Natur helfen, sondern auch den Allergikern, die unter dem Aprilsommer leiden.

Zwar
kam im ersten Quartal dieses Jahres noch die übliche Regenmenge
zusammen, aber das Defizit von 2018 wurde nicht aufgefüllt. Nach
Auskunft von Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe (BWB),
ist das für die Versorgung der Hauptstadt bisher und auch auf absehbare
Zeit kein Problem. “Aber sollte der kommende Sommer so ähnlich werden
wie der vergangene, reden wir danach vielleicht anders”, sagt Natz.

Berlin ist Deutschlands trockenste Region

Er
berichtet vom Gedankenspiel eines leitenden Trinkwasserexperten, der
kürzlich vom “Wasserwerk Schönerlinde” gesprochen habe. Tatsächlich
steht dort am nördlichen Stadtrand ein großes Klärwerk. Das leitet sein
gereinigtes Abwasser – wie alle anderen auch – in umliegende Gewässer
ein.

Als “Wasserwerk” könnte es diese Abwässer auch in die
Landschaft leiten, damit sie die Böden befeuchten und neue
Grundwasservorräte bilden können. Allerdings müsste das Abwasser dazu
noch aufwendiger gereinigt werden, damit sich auch langfristig keine
Schadstoffe im Grundwasser anreichern.

Noch ist das nur ein Gedanke – aber womöglich einer, der weiterverfolgt
werden muss in Deutschlands trockenster Region: Schon in normalen Jahren
regnet es in Teilen Süddeutschlands fast doppelt so viel wie in Berlin.



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