Treffen mit Putin: Kim will die „Schaukelpolitik“ seines Großvaters wiederbeleben

Treffen mit Putin: Kim will die „Schaukelpolitik“ seines Großvaters wiederbeleben

  23 Apr 2019


Ausland Treffen mit Putin

Kim will die „Schaukelpolitik“ seines Großvaters wiederbeleben

| Lesedauer: 3 Minuten

Treffen sich am Donnerstag in Wladiwostok: Wladimir Putin (l.) und Kim Jong-un Treffen sich am Donnerstag in Wladiwostok: Wladimir Putin (l.) und Kim Jong-un

Kommen am Donnerstag in Wladiwostok zusammen: Wladimir Putin (l.) und Kim Jong-un

Quelle: AFP/HANDOUT

Der nordkoreanische Diktator trifft am Donnerstag Wladimir Putin. Er knüpft damit an eine bewährte Strategie an. Der russische Präsident ist für Kim ein wichtiger Baustein zur Verwirklichung bestimmter Ziele.

Der erste russisch-nordkoreanische Gipfel seit acht Jahren passt Wladimir Putin und Kim Jong-un gleichermaßen ins Konzept. Bei dem Treffen in Wladiwostok, das am Dienstag offiziell bestätigt wurde, möchte Putin am Donnerstag zeigen, dass er nicht nur im Nahen Osten und in Venezuela, sondern auch in Ostasien wieder mitredet.

Die politische Zukunft der koreanischen Halbinsel vollzieht sich seit mehr als 100 Jahren als Kräftemessen der pazifischen Großmächte, ob die Koreaner es wollen oder nicht. Der Ausgang dieses Wettlaufs ist mitbestimmend für den tatsächlichen weltpolitischen Einfluss Chinas, Japans, Russlands und Amerikas.

Russland saß 2003 bis 2009 bei den Atomverhandlungen mit Kims Vater Kim Jong-il gleichberechtigt am Tisch. Heute fühlt sich Putin von Donald Trump und Xi Jinping an den Rand gedrängt. Er will das ändern.

Kim Jong-il und Wladimir Putin 2001 in Moskau

Kim Jong-il und Wladimir Putin 2001 in Moskau

Quelle: AP/Sergei Velichkin

Kim wiederum möchte die alte Schaukelpolitik wiederbeleben, die sein Großvater, der Staatsgründer Kim Il-sung, von 1949 bis 1994 erfolgreich zwischen den Weltmächten betrieben hatte. Großvater Kim achtete stets auf ein gutes Verhältnis zu Peking und zu Moskau gleichermaßen. Als diese sich von 1960 bis in die 80er-Jahre spinnefeind waren, spielte Kim Il-sung den Vermittler. Amerika hätte er gern auch als Partner gehabt, aber das ging natürlich nicht.

Die USA waren der Erzfeind, den Kim zur Legitimierung seines Regimes brauchte. Er hielt Washington im Spiel, indem er es militärisch provozierte – immer dann, wenn Amerika sich allzu sehr Peking anzunähern schien oder wenn US-Politiker allzu offen über einen Rückzug aus Südkorea nachdachten. Dann ließ Kim Il-sung ein US-Spionageschiff kapern, Helikopter abschießen oder US-Soldaten an der Demarkationslinie umbringen. Amerika musste an Korea interessiert gehalten werden.

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Kim Jong Un, North Korea's leader, poses for a photograph while shaking hands with Nguyen Thi Kim Ngan, chairwoman of Vietnam's National Assembly (not pictured) at the National Assembly in Hanoi, Vietnam, on Friday, March 1, 2019. Kim will have a long train ride home through China to think about what went wrong in his second summit with Donald Trump and how to keep it from reversing his gains of the past year. Photographer: SeongJoon Cho/Bloomberg

Nun fährt Kim Jong-un zu Putin, mit zwei konkreten Zielen. Erstens braucht er einen Freund im UN-Sicherheitsrat, der die Sanktionen möglichst weit beugt und für ihre Lockerung eintritt. Kim will von Russland Bergwerksausrüstungen und Kraftwerke und Zivilflugzeuge kaufen. Das wäre zumindest in den Augen Trumps und der EU ein Geschäft hart am Rand der Sanktionsgrenze. Die UN-Resolutionen verbieten jedwede Exporte, die Kims Atomrüstung direkt oder indirekt zugutekämen.

Eine verbesserte Stromversorgung wäre militärisch nutzbar. Kims Fluglinie ist von den UN nicht sanktioniert, aber sie gilt dem Westen als militärische Einrichtung und Helferin beim Embargobruch. Trump hat jedwedes Geschäft mit ihr untersagt, und etliche Länder haben ihr die Landerechte entzogen.

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Der Gipfel ist gescheitert. Donald Trump reist zurück nach Washington, und Kim könnte einen Zwischenstopp in China einlegen

Noch spannender ist die Frage, ob Putin Nordkorea Kampfjets in Aussicht stellen würde. Das wäre ein offener Bruch der Sanktionen. Trotz des UN-Waffenembargos von 2009 hatte sich Kim Jong-il 2011 in Sibirien beim Treffen mit dem damaligen russischen Präsidenten und heutigen Premier Dmitri Medwedjew Suchoi-35-Jets vorführen lassen. Die waren damals das Modernste, was Russland bieten konnte. Aus dem Geschäft wurde nichts.

Nordkoreas Luftwaffe aber veraltet rapide, und Putin sucht Absatzmärkte. Ende März hat Moskau die Exporterlaubnis für das neueste Modell erteilt, die Stealth-Mehrzweckmaschine Suchoi 50. Ob das nur zeitlicher Zufall war, wird sich zeigen.

Nordkorea baut angeblich Raketenanlage wieder auf

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Nordkorea könnte eine stillgelegte Raketenanlage wieder aufbauen. Entsprechende Berichte berufen sich auf Informationen des südkoreanischen Geheimdienstes und auf Satellitenbilder.



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