Sorge vor Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa | Wissen & Umwelt | DW

Sorge vor Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa | Wissen & Umwelt | DW

  15 May 2019


Was ist in Köln passiert?

28 Patienten des Kölner Medizinischen Versorgungszentrums sind an einer bakteriellen Infektion erkrankt. Alle waren wegen Rückenschmerzen – etwa Bandscheibenvorfällen – behandelt worden. Ein 84-jähriger Mann starb nun in Folge der Infektion – vermutlich mit dem Erreger Pseudomonas aeruginosa – an Multiorganversagen. Andere behandelte Patienten leiden an einer Hirnhautentzündung, einer Meningitis.

Die Erkrankten gehören zu insgesamt 300 Patienten, denen zwischen Januar und März diesen Jahres an dem Versorgungszentrum per Injektionsnadel Entzündungshemmer und Schmerzmittel in die Wirbelsäule gespritzt wurden.

In allen Fällen hatten Mediziner den anspruchsvollen Eingriff mit Hilfe eines Computer-Tomographen kontrolliert. Das Klinikum selbst hat die Infektionsfälle bei der Kölner Staatsanwaltschaft angezeigt.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene hatte den Fall als “schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung überhaupt” bezeichnet.

Was die Sache noch komplizierter macht: Es gibt verschiedene Pseudomonas-aeruginosa-Varianten, die möglicherweise auch unterschiedlich auf Antibiotika reagieren. Welcher von ihnen – und ob überhaupt einer von ihnen – für den Todesfall und die Erkrankungen verantwortlich ist, werden erst gründliche Untersuchungen des Erbgutes der Keime und der möglichen Infektionsquellen in der Praxis abschließend klären können. 

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Wie gefährlich ist der Keim im Alltag?

Angesichts seiner Häufigkeit in Umwelt und Haushalt stellt Pseudomonas aeruginosa für die meisten Menschen keine besonders große Bedrohung dar. Meist kommt das Immunsystem gut mit ihm zurecht.

Der Erreger verursacht außerhalb von Krankenhäusern meist weniger schwere Entzündungen, etwa am Außenohr, auf der Hornhaut des Auges oder in Wunden. Gefährlicher ist das Bakterium indes im Krankenhaus. 

Wo tritt der Keim auf?

Pseudomonas aeruginosa ist kein besonders seltenes Bakterium. Es kommt praktisch überall vor, wo es feucht ist: In der Erde, in Seen und Flüssen, im Leitungswasser, im Badezimmer, im Spülschwamm. Sogar in destilliertem Wasser, Shampoos und in Desinfektionsmitteln kann sich der Erreger vermehren, falls er dort organisches Material als Futter findet.

Auch im Darmtrakt von Tier und Mensch findet sich der Keim. Bei Lebensmitteln führt er zur Fäulnis. In Rohrleitungen ist er an der Bildung von Biofilm beteiligt, der Abflussrohre verstopft.

Selbst im Dieseltreibstoff bzw. Heizöl kann das Bakterium gedeihen. Bei selten genutzten Fahrzeugen, Schiffen oder in Heizanlagen kann es dann auch zu Verstopfungen und zum Ausfall von Motoren oder Brennern kommen. 

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Pseudomonas aeruginosa Bakterium (picture-alliance/BSIP/CDC/J. Carr)

Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, kann es zu einer lebensbedrohlichen Sepsis kommen.

Wie häufig findet man ihn im Krankenhaus?

Das Bakterium ist für etwa ein Zehntel aller Infektionen mit Krankenhauskeimen verantwortlich. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann er Lungenentzündungen, Harnwegs- und Wundinfektionen auslösen.

Im schlimmsten Fall kommt es zu einer sogenannten Blutstrominfektion. Diese Sepsis verläuft häufig tödlich. Der Keim ist vor allem dann gefährlich, wenn er einen künstlichen Zugang in den Körper findet, wenn er etwa durch eine Injektionsnadel ins Blut gelangt, durch einen Katheter in die Blase oder durch Beatmungsschläuche in die Lunge.

Wie gefährlich ist eine Sepsis?

Die Sepsis ist in Industrieländern die häufigste vermeidbare Todesursache. Allein in Deutschland erkranken fast 280.000 Menschen im Jahr an dieser Blutbahninfektion. Fast jeder vierte Patient stirbt daran. Das sind etwa 70.000 Menschen.

Geht man davon aus, dass ein Zehntel der Fälle auf Pseudomonas aeruginosa zurückgeht, läge die Zahl der durch das Bakterium getöteten Menschen pro Jahr in Deutschland bei etwa 7000.

Wie kann man den Keim bekämpfen?

Pseudomonas aeruginosa ist zwar gegen einige, aber nicht gegen alle Antibiotika immun. “Wenn keine Resistenzen bestehen, kommt zur Therapie […] eine Handvoll Antibiotika infrage”, sagt Dr. Gerd Fätkenheuer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und Professor an der Uniklinik Köln. Ob im Kölner Fall bisher nicht bekannte Resistenzen eine Rolle spielen, ist aber noch nicht geklärt.

Dennoch drängt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowohl Regierungen, als auch forschende Pharmaunternehmen dazu, dringend neue Medikamente  gegen den Erreger zu entwickeln. Auf einer Pioritätenliste der WHO steht der Keim Pseudomonas aeruginosa neben nur zwei weiteren Erregern als “kritisch” ganz weit oben. 

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