Würdiger Gewinner in Cannes: „Parasite“ gewinnt Goldene Palme

Würdiger Gewinner in Cannes: „Parasite“ gewinnt Goldene Palme

  26 May 2019


Kino Die Gewinner in Cannes

Eine Parabel über die Reichen und Armen der koreanischen Gesellschaft

| Lesedauer: 3 Minuten

Handyvergleich: „Parasit“ von Bong Joon Ho Handyvergleich: „Parasit“ von Bong Joon Ho

Die Gewinner: Der südkoreanische Film „Parasit“ von Bong Joon Ho

Quelle: 2019 CJ ENM Corporation, Barunson E&A

Die Jury der Filmfestspiele von Cannes hatte die Qual der Wahl in einem begeisternden Jahr. Gewonnen hat zum ersten Mal das koreanische Kino mit „Parasite“, Tarantino geht leer aus – gut so.

Die 72. Filmfestspiele waren ein Traum-Cannes: die älteren Herrschaften (Almodóvar, Loach, Malick, Bellocchio) in bestechender Form, der Nachwuchs (Sciamma, Bong, Hausner, Diop) eine Freude zum Ansehen. Manche Jurys in Cannes haben schon kämpfen müssen, um einen Film zu finden, der den Ansprüchen des Festivals an sich selbst gerecht wurde, aber diese Jury unter dem mexikanischen Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu („Birdman“, „The Revenant“) hatte die Qual der Wahl.

Zum ersten Mal bei einem großen Festival, nach 20 Jahren hervorragender Filme, gewann das koreanische Kino: Bong Joon-Hos „Parasit“ über Oben und Unten in der koreanischen Gesellschaft, über arme und reiche Parasiten, eine meisterhaft ausgedachte und inszenierte Parabel, die von Brecht stammen könnte; der würde heute nicht für das blutleere deutsche Kino arbeiten, sondern für das blutige koreanische.

CANNES 2019 - „Parasit“ (GISAENGCHUNG, Bong Joon Ho)

Wasserschlacht im Film „Parasit“ von Bong Joon Ho

Quelle: 2019 CJ ENM Corporation, Barunson E&A

Der Grand Prix ging, wie das viele vorausgesagt hatten, an eine Frau, aber nicht an Céline Sciamma oder Jessica Hausner, sondern an die Französin Marti Diop (Nichte des großen senegalesischen Regisseurs Djibril Diop Mambéty, die erste schwarze Regisseurin im Wettbewerb von Cannes) für ihren ersten Langspielfilm „Atlantique“. Darin gehen Afrikaner auf die gefährliche Bootsreise nach Spanien und kommen dabei alle um; aber sie kehren als Zombies zurück, um von denen Rechenschaft zu fordern, die sie vertrieben. Die Palme für die beste Regie ging an die Belgier Jean-Pierre und Luc Dardenne (die schon zwei Goldene Palmen für den besten Film gewannen) für ihren „Le jeune Ahmed“, einen hochumstrittenen Film über einen 13-jährigen Moslem-Jungen in Belgien, der sich von dem Pfad des Heiligen Krieges nicht abbringen lässt. Der Film scheint zu suggerieren, dass Gotteskrieger für ein friedliches Zusammenleben in Westeuropa rettungslos verloren sind.

Alle paktieren mit allen: „Les Misérables“ von Ladj Ly

Jurypreis für „Les Misérables“ von Ladj Ly

Quelle: cannes 2019

Der Jury-Preis (sozusagen die Silberne Palme) ging gemeinsam an „Les Misérables“ (von dem Regieneuling Ladj Ly) und „Bacurau“ (von Kleber Mendonca Filho und Juliano Dornelles), die beiden politischsten Filme des Festivals, der eine eine Warnung vor dem nächsten Banlieue-Aufstand in Frankreich, der andere eine Parabel aus dem tiefsten Amazonas – eine wilde Mischung aus Western, Science Fiction und Slasherfilm – über die Notwehr gegen die Globalisierung, bei der alles erlaubt ist, auch Gewalt. Bezeichnenderweise wurde dieser Preis von Michael Moore übergeben, der die Filmgemeinde zum Widerstand aufrief, zu „Kunst in dunklen Zeiten“.

Als beste Darstellerin wurde die Britin Emily Beecham in Jessica Hausners Science-Fiction-Film „Little Joe“ geehrt, in dem Beecham als Biologin eine Pflanze entwickelt, deren Duft Glücksgefühle auslöst, aber auch die Persönlichkeit verändert. Den Darstellerpreis erhielt Antonio Banderas, der in Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“ mehr oder minder Almodóvar spielt, einen alternden Regisseur, der nur eine Vergangenheit, aber keine Zu7kuznft zu haben scheint.

Das beste Drehbuch gewann Céline Sciamma für ihren historisch-feministischen „Portrait de la jeune fille en feu“, was durchaus gerechtfertigt war, ihr aber höhere Palmen-Ehren verwehrte, da Filme in Cannes nicht mehrere Preise auf einmal gewinnen dürfen.

CANNES 2019 - „Portrait de la jeune fille en feu“ (Céline Sciamma)

Das beste Drehbuch für „Portrait de la jeune fille en feu“ von Céline Sciamma

Quelle: Lilies Films/Hold-Up Films/Arte France Cinéma

Und, um einem weiteren Film wenigstens etwas zu geben, der auch einen Preis erwähnt hatte: „It must be Heaven“, die knochentrocken witzige, politische Nummernrevue von Elia Suleiman, dem palästinensischen Jacques Tati, erhielt wenigstens eine „Spezielle Erwähnung“. Völlig leer ging Terrence Malicks „A Hidden Life“ aus, für viele der Favorit, aber dieses Schicksal teilt er mit Maren Ades „Toni Erdmann“, der (immer noch rätselhafterweise) vor drei Jahren von der damaligen Jury total verschmäht wurde). Auch Quentin Tarantinos „Once upon a Time … in Hollywood“ ging leer aus, aber das war nicht wirklich überraschend.



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