Manipulierte TV-Beiträge bei RTL – Sender trennt sich von Reporter

Manipulierte TV-Beiträge bei RTL – Sender trennt sich von Reporter

  14 Jun 2019


Medien & TV Bislang sechs Fälle

Manipulierte TV-Beiträge – RTL trennt sich von langjährigem Reporter

| Lesedauer: 2 Minuten

Die vom Reporter genannte Protagonistin und die im Beitrag verdeckt gedrehte Frau sollen zwei verschiedene Personen gewesen sein

Die vom Reporter genannte Protagonistin und die im Beitrag verdeckt gedrehte Frau sollen zwei verschiedene Personen gewesen sein

Quelle: pa/imageBROKER/Stefan Kiefer

Der Fernsehreporter versuchte noch, die Vorwürfe zu relativieren – doch die Beweislage war laut RTL eindeutig: Ein Journalist des Senders soll in mehreren Fällen TV-Beiträge manipuliert haben. RTL zieht Konsequenzen.

Ein langjähriger RTL-Reporter hat nach Angaben des Senders in mehreren Fällen TV-Beiträge manipuliert. Ihm seien bewusst verfälschende Eingriffe in seinen Beiträgen nachgewiesen worden, teilte RTL am Freitag mit. Daraufhin habe sich der Sender sofort von dem Mitarbeiter getrennt. Nach RTL-Angaben sollen sämtliche Beiträge des Reporters aus den vergangenen Jahren überprüft werden. Außerdem kläre die RTL-Chefredaktion, wie die Anwendung der geltenden Kontrollmechanismen bei der redaktionellen Abnahme von TV-Beiträgen weiter verbessert werden könne.

Der 39-jährige Reporter arbeitete seit zwölf Jahren für den Sender und war laut RTL in den vergangenen Jahren überwiegend für das Mittagsjournal „Punkt 12“ im Einsatz. Der Sender kündigte an, die Zuschauer des Magazins in der Freitagsausgabe über die Manipulationen zu informieren. Alle Beiträge des Reporters seien sowohl online als auch im internen Newsarchiv gesperrt worden.

Erstmals habe ein Beitrag, der Anfang Mai bei „Punkt 12“ und im „RTL Nachtjournal“ lief, den Verdacht einer Fälschung ausgelöst. Eine verdeckt gezeigte Protagonistin, die laut Reporter zweifache Mutter war und angeblich Codein nahm, sah offenbar deutlich jünger aus als angegeben. Im Rohmaterial habe sie Aussagen getroffen, die den Schluss nahelegten, dass sie das Opioid nicht genommen habe. Eine Mitarbeiterin von RTL Nord wandte sich mit dem Verdacht an den Geschäftsführer von RTL Nord, Michael Pohl.

Lesen Sie auch

„Spiegel“-Zentrale in der Hamburger Hafencity

Daraufhin sei man das Rohmaterial Frame für Frame durchgegangen, und der beteiligte Kameramann sei befragt worden. Die vom Reporter genannte Protagonistin und die im Beitrag verdeckt gedrehte Frau seien zwei verschiedene Personen gewesen. Als daraufhin die Überprüfung weiterer Beiträge angeordnet wurde, seien bislang sechs weitere Manipulationen aufgedeckt worden.

Die bisher geprüften Beiträge seien zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich dahingehend manipuliert gewesen, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergegeben habe. Der Mitarbeiter hat nach Angaben des Senders in persönlichen Gesprächen unter anderem mit RTL-Chefredakteur Michael Wulf versucht, die Vorwürfe zu relativieren. Die Beweislage sei aber eindeutig gewesen.

Lesen Sie auch

"Die Arroganz gehört zur Grundausstattung des 'Spiegel'", sagt WELT-Autor Thomas Schmid

Unter anderem habe der Reporter in einem Beitrag suggeriert, ein persönliches Interview mit Lionel Richie geführt zu haben. Die Interviewsequenz stamme aber aus einer elektronischen Pressemappe.

„Wir vertrauen in die journalistische Aufrichtigkeit unserer Reporter, und unsere Kontrollmechanismen bei der Abnahme von Beiträgen sind streng“, sagte Wulf laut der Mitteilung. „Dieser Fall zeigt uns jedoch, dass sie nicht völlig fehlerresistent sind. Wir werden deshalb sehr konsequent daran gehen, den gesamten Prüfungsprozess rund um TV-Beiträge vor der Ausstrahlung noch weiter zu verbessern.“

Lesen Sie auch

Stefan Winterbauer (l.) und Christian Meier



Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *